Im Focusing gehen wir davon aus, dass wir uns selbst kennen lernen können, ganz ähnlich wie wir andere Menschen oder andere Dinge in der Welt kennen lernen: Durch Beobachtung. Es gibt dabei den Unterschied, dass wir andere Menschen und die Dinge in der Welt durch unsere Sinneswahrnehmung, Sprache und Einfühlungsvermögen kennenlernen, uns selbst dagegen durch die Beobachtung unserer Innenwelt.
Diese Innenwelt besteht aus Körperempfindungen, Gefühlseindrücken und Gedanken, die uns in ihrer Gesamtheit zu den Menschen machen, die wir sind. Wenn wir beispielsweise Körperempfindungen wie Hunger, Durst oder Müdigkeit wahrnehmen, dann erleben wir unsere Innenwelt. Genauso, wenn wir Traurigkeit, Freude oder andere Emotionen spüren.
In unserer Gesellschaft ist es aber völlig normal, diese Eindrücke zur Kenntnis zu nehmen, ohne genau hinzustürzen, was da eigentlich gerade da ist. Dadurch bleibt uns eine ganze Welt relativ unbekannt, die eigentlich ganz wesentlich für unser Leben sein kann.
Beim Focusing lernen wir mit Ruhe und Achtsamkeit auf das zu achten, was in dieser Innenwelt da ist. Was vorher nur "Traurigkeit" war, wird dadurch oft viel konkreter greifbar. Es wird deutlich, dass es nicht nur "Traurigkeit" ist, sondern eine ganz bestimmte Art von Traurigkeit. Und dass sie mit ganz vielem zusammenhängt. Mit Bedürfnissen, mit Erinnerungen, mit Wünschen, mit Gedanken und Überzeugungen.
Je besser wir diese Welt aus Körperempfindungen, Gefühlen und Gedanken kennenlernen, umso mehr wird deutlich, dass auch Gefühle Gesetzmäßigkeiten folgen, dass sie uns ganz bestimmte Mitteilungen über unser Verhältnis zur Welt und zum Leben mitteilen. Aus diesen Entdeckungen kann sich viel ergeben.
So bekommt das, was uns innerlich beschäftigt oft einen ganz neuen Charakter. Es kann viel klarer werden und plötzlich anfangen Sinn zu ergeben. Daraus können sich Schritte ergeben, die vorher unmöglich erschienen oder an die wir niemals gedacht hätten.